Presseinfo / Das Gesetz stuft Abnehmmedikamente als Lifestyle-Arzneimittel ein und viele Befragte denken ähnlich

Befragte mit Übergewicht urteilen nicht milder über sich selbst, empfinden aber deutlich mehr Scham

Gut vier von zehn Befragten halten Übergewicht in erster Linie für eine Frage des Willens. Ähnlich viele finden, dass stark übergewichtige Menschen größtenteils selbst schuld an ihrem Gewicht sind. Dass Adipositas eine chronische Erkrankung ist, sehen dagegen nur wenige. Das zeigt eine Umfrage unter 409 Erwachsenen in Deutschland im Auftrag von FIT fürs LEBEN.

Diese Haltung spiegelt sich auch in der Gesetzeslage wider. Medikamente zur Gewichtsreduktion sind seit 2004 grundsätzlich von der Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen, da sie als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel gelten. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat diesen Ausschluss im März 2024 für Wegovy nachvollzogen. Wer medikamentöse Unterstützung beim Abnehmen nutzen möchte, muss die Behandlung deshalb in der Regel selbst bezahlen.

Acht von zehn Befragten stimmen zu, dass Menschen mit Übergewicht in unserer Gesellschaft häufig diskriminiert werden. Diskriminierung wird also von einer großen Mehrheit wahrgenommen, während deutlich weniger Menschen Adipositas als chronische Erkrankung verstehen.


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Die Betroffenen teilen das Urteil und tragen zusätzlich die Last

Die Umfrage erlaubt einen Vergleich zwischen Befragten mit und ohne Übergewicht, berechnet aus selbst angegebener Größe und Gewicht. Dabei zeigt sich eine Verteilung, die man so nicht unbedingt erwarten würde.

Bei der Frage nach Schuld und Willen unterscheiden sich beide Gruppen nicht. Auch unter den Befragten mit Übergewicht halten gut 40 % das Thema für eine Frage des Willens und ebenso viele finden, Betroffene seien größtenteils selbst schuld. Die Werte liegen praktisch gleichauf mit denen der Befragten mit Normalgewicht.

Medizinische Hilfe beim Abnehmen in Anspruch zu nehmen, wird unterschiedlich wahrgenommen. Fast jede zweite Person mit Übergewicht befürchtet, in der Arztpraxis lediglich den Rat zu erhalten, abzunehmen. Bei den Befragten ohne Übergewicht teilt nur etwa jede sechste Person diese Erwartung. Rund ein Drittel der Menschen mit Übergewicht schämt sich zudem, das Thema überhaupt anzusprechen. In der Vergleichsgruppe ist es nur gut jede achte Person. Bei übergewichtigen Befragten besteht deutlich häufiger das Gefühl, gegen das eigene Gewicht ohnehin wenig tun zu können.

Wer selbst betroffen ist, urteilt also nicht milder über sich selbst, berichtet aber deutlich häufiger von Scham und der Sorge, von anderen verurteilt zu werden.


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Männer und Frauen schweigen aus verschiedenen Gründen


Auch zwischen Männern und Frauen zeigen sich Unterschiede. Mehr als die Hälfte der befragten Männer hält Übergewicht für eine Frage des Willens, unter den Frauen ist es gut ein Viertel.

Frauen erleben Gespräche über ihr Gewicht häufiger als Bewertung. Von denjenigen, die bereits mit einer Ärztin oder einem Arzt über ihr Gewicht gesprochen haben, berichtet knapp jede Dritte, sich dabei verurteilt oder beschämt gefühlt zu haben. Bei den Männern trifft dies auf weniger als ein Fünftel zu.

Betroffene lehnen Unterstützung nicht kategorisch ab, aber zögern lange, sie in Anspruch zu nehmen. Die größte Hürde scheint weniger das vorhandene Angebot zu sein als die Unsicherheit, ob das eigene Gewicht überhaupt ein Thema für die Arztpraxis ist.

Weitere Ergebnisse der Umfrage finden sich auf der Ergebnisseite.

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Hinweis für Redaktionen

Zur Umfrage:
  • Anlage: Online-Fragebogen unter 409 Erwachsenen ab 18 Jahren in Deutschland im Auftrag von FIT fürs LEBEN. Feldzeit am 28. und 29. April 2026. Die Teilnehmenden wurden über die Crowdworking-Plattform Clickworker rekrutiert.
  • Genauigkeit: Die maximale Fehlermarge liegt bei ±4,8 Prozentpunkten bei 95 Prozent Konfidenzniveau. Für die Teilgruppen liegt sie höher: Männer (229 Befragte) ±6,5, Frauen (175 Befragte) ±7,4, Befragte mit einem BMI ab 25 (198) ±7,0 Prozentpunkte.
  • Gewichtung: Die Ergebnisse sind nicht auf die deutsche Bevölkerung gewichtet. Die genannten Werte sind daher als Anhaltspunkte zu verstehen.
  • Zusammensetzung: Bedingt durch die Rekrutierung ist die Stichprobe jünger und formal höher gebildet als die Gesamtbevölkerung. 45,5 Prozent der Befragten haben ein abgeschlossenes Studium, gegenüber rund einem Viertel der 25- bis 65-Jährigen bundesweit. 2,9 Prozent sind 65 Jahre oder älter, 56,0 Prozent sind Männer. Die Ergebnisse sind daher nicht als bevölkerungsrepräsentativ zu lesen.
  • Gewichtsklassen: ermittelt aus selbst angegebener Größe und Gewicht. Von 398 auswertbaren Angaben entfallen 198 auf einen BMI ab 25 (49,7 Prozent) und 62 auf einen BMI ab 30 (15,6 Prozent). Bundesweit lag der Anteil 2025 bei 53,4 beziehungsweise 17,9 Prozent (Mikrozensus, Statistisches Bundesamt). In dieser Hinsicht entspricht die Stichprobe der Bevölkerung weitgehend.
  • Bildmaterial: Die Grafiken in dieser Mitteilung sind mit Quellenangabe FIT fürs LEBEN frei verwendbar. Einzeldateien in hoher Auflösung auf Anfrage.
  • Auskunft: Für Rückfragen zur Umfrage steht eine Behandlerin oder ein Behandler von FIT fürs LEBEN zur Verfügung.
Kernzahlen

Haltung zum Übergewicht, alle Befragten
  • Übergewicht ist in erster Linie eine Frage des Willens: 42,5 Prozent
  • Stark übergewichtige Menschen sind größtenteils selbst schuld: 41,8 Prozent
  • Adipositas ist eine chronische Krankheit: 39,6 Prozent
  • Menschen mit Übergewicht werden häufig diskriminiert: 80,2 Prozent
Befragte mit einem BMI ab 25 neben Befragten mit einem BMI unter 25
  • Frage des Willens: mit Übergewicht 41,4 Prozent, ohne Übergewicht 43,0 Prozent
  • Größtenteils selbst schuld: mit Übergewicht 40,9 Prozent, ohne Übergewicht 41,5 Prozent
  • Befürchtet ein knappes „Nehmen Sie einfach ab“: mit Übergewicht 42,4 Prozent, ohne Übergewicht 15,5 Prozent
  • Schämt sich, das Thema anzusprechen: mit Übergewicht 31,3 Prozent, ohne Übergewicht 12,0 Prozent
  • Gefühl, ohnehin wenig tun zu können: mit Übergewicht 22,2 Prozent, ohne Übergewicht 7,5 Prozent
Haltung zum Übergewicht, Männer neben Frauen
  • Frage des Willens: Männer 55,0 Prozent, Frauen 26,9 Prozent
  • Größtenteils selbst schuld: Männer 50,7 Prozent, Frauen 31,4 Prozent
Erfahrung der 204 Befragten, die das Gespräch geführt haben
  • Mindestens eine positive Erfahrung genannt: 74,0 Prozent
  • Mit Verständnis behandelt: 39,2 Prozent. Ernst genommen: 30,4 Prozent
  • Verurteilt oder beschämt gefühlt: Männer 17,8 Prozent, Frauen 30,9 Prozent
Über FIT fürs LEBEN:
FIT fürs LEBEN bietet Menschen mit Übergewicht und Adipositas ein ärztlich begleitetes Abnehmprogramm, das online beginnt. Nach einem medizinischen Fragebogen wird gemeinsam geklärt, ob und welche Behandlung infrage kommt.

Pressekontakt:
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