Presseinfo / Süßkartoffel-Vielfalt einfach erklärt – Interview mit dem Lubera-Gründer Markus Kobelt

Markus, wie bist du auf die Süsskartoffel gekommen, was hat dich dazu bewogen, ausgerechnet für die tropischen Knollen ein Züchtungsprogramm in der Schweiz zu starten?

Letztlich sind wir durch Zufall auf die Süsskartoffel gekommen. Oder vielleicht war es doch kein Zufall? Es war vielleicht doch eher so, dass uns gerade die Distanz fasziniert hat: Wie kann eine subtropische bis tropische Erdfrucht bei uns, im gemässigten Klima, angebaut werden? Können wir das hier überhaupt anbauen? Ist das möglich? Werden die Früchte genügend gross? Reicht die Vegetationsperiode dafür aus? Das waren die Fragen, die uns beschäftigt haben. Zuerst haben wir bekannte Standardsorten aus den USA ausprobiert, und dann haben wir begonnen, selber zu züchten.

Wie kommt es, dass ihr bei den Süsskartoffeln drei verschiedene Pflanzenfamilien anbietet: die Sugaroots, die Sugabeauties und neuerdings auch noch die Thanksgiver?

Die Art Ipomoea batatas ist hexaploid, hat also sechs Chromosomensätze, und das führt einfach zu einer unglaublichen Diversität, die bei der Züchtung zum Vorschein kommt. Sugaroots zum Beispiel sind die Süsskartoffelsorten aus unserer Züchtung, die wir vor allem aufgrund des Geschmacks, der Textur und des Aromas selektioniert haben. Das sind ganz bewusst Sorten, die nicht etwa kartoffelähnlich sind, sondern möglichst weit von der Kartoffel entfernt sind und auch deutlich süsser sind als der Durchschnitt der Süsskartoffelsorten. Wenn immer möglich, haben wir hier auch Sorten selektioniert, die eine schmelzende Textur haben. Die Basis für diese Züchtungen waren vor allem Sorten aus Asien.

Und was sind die Unterscheidungsmerkmale der Thanksgiver- und der Sugabeauty-Süsskartoffeln?

Die Thanksgiver sind Süsskartoffeln, die tendenziell kartoffelnäher sind, die ein bisschen weniger Zucker haben, in der Textur etwas trockener und körniger sind, besser auch für salzige Gerichte geeignet sind und gegebenenfalls auch frittiert werden können. Bei den Thanksgivern haben wir bei der Selektion vor allem einen Schwerpunkt auf den Ertrag gelegt. Während Sugaroots ca. 1,5 bis 3 kg pro Pflanze an Knollen abliefern können, sind das bei den Thanksgivern eher 2,5 bis 4 kg.

Und was ist mit den Sugabeauties?

Die dritte Gruppe sind Sorten, die einen klaren Zierwert haben. Ihre Triebe sind viel kompakter als bei den normalen Ertragssorten (40-80 cm statt 200cm), sie sind als Strukturpflanzen im Kübel geeignet und haben aufgrund ihres attraktiven Laubs und der schönen Blätter neben dem Nutzwert auch einen deutlichen Zierwert.

Jetzt habt ihr also drei Süsskartoffelfamilien und noch viel mehr Sorten. Wie wähle ich jetzt die beste Sorte für mich, für meinen Garten aus?

Eigentlich ganz einfach: Geschmacklich intensive und süsse Sorten, mehr als Edelgemüse denn als Sättigungsbeilage einzusetzen, das sind die Sugaroots. Anbau im Kübel: Das sind die kompakt wachsenden und laubschönen Sugabeauties. Und Süsskartoffeln als Ertragsstar, zum Einlagern, als Sättigungsbeilage und zum Frittieren – dafür sind die Thanksgiver geeignet. Und dann kannst du bei allen auch noch die präferierte Fleischfarbe wählen: gelb, orange, weiss und dunkelviolett. Wir sind auch dabei, mehrfarbige Sorten zu züchten.

Was für eine Rolle spielen die Farben der Früchte?

Da gibt es kulturelle Unterschiede: In Asien sind die weissen Süsskartoffeln am beliebtesten, bei uns und in den USA sind es die orangen. Die violetten Knollen sind ein bisschen ein Geheimtipp.

Und gibt es auch systematische Unterschiede zwischen den Knollenfarben, zum Beispiel beim Geschmack?

Ja, das hat sich in den letzten Jahren ziemlich deutlich gezeigt. Aber zuerst eine Präzisierung: Wir sprechen hier über die Fleischfarbe. Daneben gibt es auch die Schalenfarbe und die Farbe der Blätter und Triebspitzen. Alle drei werden genetisch unabhängig gesteuert. Eine violette Fleischsorte hat also nicht unbedingt rote Blätter, und rote Triebspitzen müssen nicht heissen, dass die Fleischfarbe orange ist. Ebenso ist die Schalenfarbe unabhängig von der Fleischfarbe Aber die Fleischfarbe scheint sich schon im Esserlebnis zu spiegeln: Die weissen Sorten sind häufig etwas süsser als andere Fleischfarben, die orangen Sorten haben das intensivste Aroma aller Farben, mit deutlichen Anklängen an Kürbis, Karotten und sogar Kastanien. Die violetten Sorten haben einen sehr speziellen Geschmack, der auch eine gewisse Bitterkeit enthält, sich aber im Abgang anfühlt wie schwarze Schokolade.

Wie viel Ertrag kann ich erwarten?

Bei den Sugaroots ca. 1,5 bis 3 kg pro Pflanze, bei den Thanksgivern 2,5 bis 4 kg und schliesslich bei den für die Topfkultur geeigneten Sugabeauties ca. 1 bis 2 kg. Die Sugabeauty Orangelady erreicht sogar sehr locker das Ertragsniveau der Sugaroots.

Wann pflanzen und wann ernten?

Pflanzen nach den Eisheiligen bis ca. Mitte Juni, ernten nach ungefähr 90 bis 120 Tagen, spätestens vor den Frösten.

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Pressebild - hochauflösendes Motiv: zum Download


Thanksgiver Orange
(© Lubera)

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Video / Süsskartoffelzüchtung - Schöne Pflanze und guter Geschmack: https://www.youtube.com/watch?v=4VLZyhJdJoM 


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Was Lubera unterscheidet - unsere Firmen-DNA: 

1. Wir fokussieren uns konsequent auf den Hausgartenmarkt und die Bedürfnisse von Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtnern

2. Wir haben klare Zuchtziele für essbare Pflanzen:
  • einfacher zu kultivieren
  • besser im Geschmack
  • widerstandsfähiger
  • wenn möglich überraschend
3. Die vertikale Integration von der Züchtung bis zum Verkauf an Endkunden – mit einem geschlossenen Lernkreislauf zwischen Züchtung, Produktion und Kundenfeedback

4. Wir tun Gutes und reden gerne darüber. Pflanzen sind für uns eines der sinnvollsten und nachhaltigsten Produkte überhaupt. Genau deshalb teilen wir unser Wissen offen: in Gartenbriefen, Videos und in unserem Online-Gartenbuch.


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